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Das innere Gefühl von Wut

Freitag, Februar 26th, 2010

Am Anfang  gab es eine grobe Ideenskizze des Künstlers Stefan Horn für das Projekt „Wuträume“. Diese Idee stellte er fünf jungen Erwachsenen vor, die er schon aus vergangenen Projekten kennt. Wichtig ist ihm, dass diese Gruppe nicht in sich geschlossen ist und dass jeder individuell die Grundidee weiterentwickeln kann. Es gibt ein Seminar, das aus vier Treffen besteht. Die jungen Erwachsenen entwickeln gemeinsam mit dem Künstler eine Performance zum Thema Wut. Sie möchten das innere Gefühl von Wut in ein Bild umsetzen.

Am 23. Februar wird diese Performance auf dem Dach des Hauses der Kulturen der Welt ausgeführt und mit der Kamera festgehalten. Das Ganze spielt sich auf einer großen quadratischen Fläche ab, die die Performer erst von Schnee und Eis befreien müssen. Am Tag zuvor wurden große Kisten aus Spanplatten selbst gezimmert, die sich nun im gleichen Abstand voneinander in dem Quadrat befinden. Das Quadrat und die Kisten stellen für die Performer ein System da. Womöglich ein politisches System oder ein gesellschaftliches System, gegen das sich gewehrt wird.

 

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Die jungen Erwachsenen tragen dunkle Kleidung und eine Maskierung. Im Laufe der Performance schlagen sie mit Vorschlaghammern auf die Kisten, auf das System ein, bis es zerstört ist. Obwohl alle uniform sind, drücken sie durch ihre Schlagbewegungen ihr individuelles inneres Gefühl von Wut aus.

 

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Der Schlag auf das System ist ein Befreiungsschlag und somit ein Ventil für die Wut.

 

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Der Schlüsselmoment der Performance ist der Moment der Demaskierung. Die fünf Performer ziehen ihre Maske aus dem Gesicht und schauen erschöpft und ratlos direkt in die Kamera. Es wird deutlich, dass der Befreiungsschlag keine nachhaltige Wirkung hat. Es wurde nichts erreicht und nichts gelöst. Die Wut hat nur ein  Ventil gefunden und wurde ungesteuert und chaotisch abgebaut. Stefan Horn bezeichnet den Moment des Schlagens als einen „Black Out“.

Die Maskierung besteht aus einer Strumpfmaske und einer Art Fliegerbrille. Durch die Brille sieht jeder Performer grau und sehr verschleiert, wie es in Momenten der Wut oft der Fall ist. Setzen sie die Brillen ab, können sie Farben sehen und reflektieren, was sie gerade getan haben.

 

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Die Reflexion der Tat wird mit großen bunten Gymnastikbällen verdeutlicht, auf denen die Performer in einer der letzen Sequenzen sitzen. Zunächst sind noch die Holzsplitter, die Spuren der Wut zu sehen. Diese Spuren verschwinden zum Schluss ganz und die letzte Einstellung zeigt nur die bunten Bälle, die sich im Wind leicht bewegen. Es könnte die Frage aufkommen, ob die Wut nun verschwunden ist und ob sie ein Schlag ins Leere war.

 

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Die Performance wird in der Ausstellung „Über Wut“ im Haus der Kulturen der Welt als Videoinstallation gezeigt und mit Musik unterlegt.